Geopolitik, Finanzmärkte und ein neues Mitglied
Beat eröffnet den Lions Lunch und begrüsst die anwesenden Mitglieder und Gäste. Speziell erwähnt er Mario als Interessenten, der zum ersten Mal teilnimmt, Yanis als Interessenten bei seinem dritten Besuch sowie Karel Ehmann, der an diesem Mittag einen Vortrag zum Thema geopolitische Spannungen und deren Auswirkungen auf die Finanzmärkte hält.
Mario stellt sich als neuer Gast kurz vor. Er kommt aus Hauptwil und war früher im Holzbereich tätig. Heute arbeitet er im Hochbau in der Schadstoffsanierung und führt ein Team von 11 Personen.
Persönlich beschreibt er sich als sportlich, auch wenn er aktuell noch zwei Wochen auf Krücken angewiesen ist. Zudem sagt er mit einem Schmunzeln, dass er gerne gut isst. Er freue sich sehr, hier zu sein, die Mitglieder kennenzulernen und sich künftig für soziale Projekte zu engagieren.
Anschliessend wird über den Übertritt von Dominik abgestimmt. Die Abstimmung fällt einstimmig aus, und der Übertritt wird angenommen.
Es folgt der Hinweis auf die Generalversammlung vom 17. Juni. Diese findet in der Oldiehalle bei Beat statt. Der Apéro beginnt um 18.00 Uhr, die Generalversammlung um 18.30 Uhr.
Für das Catering ist Herbi verantwortlich. Beat erwähnt, dass Herbi den Club bereits bei der Schlaraffia jeweils mit Infrastruktur für die Pinsen unterstützt.
Marcel stellt anschliessend Karel Ehmann vor. Er erwähnt, dass Karel schwer für einen Vortrag zu gewinnen sei. Karel sei vor rund 30 Jahren in die Schweiz gekommen und vor 16 Jahren zur TKB gestossen. Dort habe er damals die Leitung des Investment Centers übernommen. Nun gehe es bei ihm langsam in Richtung Pensionierung.
Marcel betont in seiner Einführung, dass Geopolitik Einfluss auf die Börse habe, die Börse Einfluss auf das Geld und das Geld wiederum Einfluss auf den Alltag aller Menschen. Deshalb gehe Geopolitik letztlich alle an.
Karel beginnt mit der Aussage, dass Nichtstun keine Option sei, weil die Inflation das angesparte Geld laufend entwerte. Zur Veranschaulichung nennt er das Beispiel, dass man mit dem Geld, mit dem man 1982 noch 100 Gipfeli kaufen konnte, heute nur noch 46 Gipfeli erhalte. Beim Kaffee sei die Kaufkraft sogar noch stärker gesunken: Dort reiche derselbe Betrag heute nur noch für 35 Kaffees.
Im weiteren Verlauf erklärt er die langfristige Wirkung von Investitionen an der Börse. Über die letzten Jahrzehnte habe ein diversifiziertes Portfolio im Durchschnitt eine Rendite von 7,6 Prozent erzielt. Wer früh genug beginne, könne bis zum 65. Lebensjahr ein Vermögen von einer Million aufbauen. Wenn man bei Geburt pro Monat 230.- pro Monat investiert, schafft man es bereits.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem Ölpreis und den globalen Handelsrouten. Karel nennt neben der Strasse von Hormus auch den Suezkanal und Bab al-Mandab als kritische Engpässe. Im Raum Bab al-Mandab seien insbesondere die Huthis sowie somalische Piraten wieder aktiver geworden, was den Welthandel zusätzlich störe. In der Strasse von Hormus seien seit März 2026 statt rund 100 Schiffen pro Tag nur noch etwa 1 bis 2 Schiffe pro Tag unterwegs. Für die Schweiz sei immerhin positiv, dass sie weniger stark von Öl abhängig sei als andere Staaten.
Ein weiteres Thema ist die US-Wirtschaft und deren Zollpolitik, die aus seiner Sicht auch für die Schweiz eine Bedrohung darstellt. Generell sei weltweit zu beobachten, dass viele Staaten mehr ausgeben als sie einnehmen. Die Schuldenbremsen würden vielerorts weniger konsequent angewendet als früher. In den USA seien die Zinszahlungen inzwischen höher als die Militärausgaben.
Auch die Inflation und Zinsentwicklung werden thematisiert. Karel erklärt, dass die kumulierte Inflation von 2018 bis 2025 in der EU und in den USA bei rund 25 bis 30 Prozent liege, in der Schweiz hingegen bei rund 6 Prozent. Diese Inflationsraten hätten direkten Einfluss auf die Leitzinsen der Nationalbanken. In den USA sei nach Jerome Powell nun Kevin Warsh in der Führung, weshalb die weitere Entwicklung noch offen sei. In der EU rechne man noch mit einer Zinserhöhung, während in der Schweiz eher von stabilen Zinsen ausgegangen werde.
Zum Abschluss seines Referats formuliert Karel einen pointierten Satz: «Prognostizieren ist wie die Kunst, sich zu kratzen, bevor man weiss, wo es juckt.»
Ganz zum Schluss steht das Essen bereit. Beat beendet die offizielle Runde mit den Worten «Än Guetä», worauf das gemeinsame Mittagessen beginnt.